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Vor 100 Jahren starb Francisco Marto mit nur zehn Jahren an der spanischen Grippe. Er war eines der drei Seherkinder von Fatima und führte ein Leben ganz in Liebe zu Jesus.
Als
der Familie des Manuel Pedro Marto und der Olimpia de Jesus in dem kleinen
Weiler Aljustrel in der portugiesischen Pfarrei Fatima am 11. Juni 1908
ein weiteres Kind geboren wurde, ahnte wohl niemand, das es einmal in die
Geschichte eingehen sollte.
Es war ein Junge, den man neun Tage später in der kleinen Pfarrkirche
von Fatima auf den Namen des hl. Franz von Asissi taufte. Und der Kleine
entwickelte einen wunderbar sanftmütigen und selbstlosen Charakter,
so, als ob der Segen des großen Heiligen aus Umbrien sich unmittelbar
über ihn gelegt hätte. Schon früh liebte er es, Frieden
mit allen zu halten, auch wenn es ihn Opfer kostete. Lucia do Santos, seine
zwei Jahre ältere Cousine, die später mit ihm und seiner Schwester
Jacinta die Muttergottes sehen durfte, berichtet: „Wenn eines der anderen
Kinder ihm etwas wegnehmen wollte, das ihm gehörte, sagte er sich
immer: "Lass doch! Was liegt mir schon daran!" Oder wenn die Kinder draußen
beim Schafehüten der alten Frau Maria Carreira mit ihrer kleinen Ziegen-
und Schafherde begegneten, war Francisco der erste, der ihr half, die Herde
auf die Weide zu führen und die Tiere zusammenzutreiben, die sich
zerstreut hatten. Die arme Alte dankte ihm tausendmal und nannte ihn ihren
"Schutzengel." Der feinfühlige Junge, der stundenlang auf seiner Querflöte
spielen oder selbstverfaßte Gedichte singen konnte, während
die anderen Kinder herumtobten, hatte auch ein überaus großes
Herz für Tiere. Besonders die Vögel hatten es ihm angetan. „Er
konnte es nicht ertragen, wenn man ihnen die Nester ausnahm. Stets nahm
er einen Teil seines Mittagsbrotes, um sie zu füttern...und er ließ
nicht zu, dass jemand sich ihnen näherte, um sie nicht zu erschrecken",
erzählt Lucia weiter.
Ein einschneidendes Erlebnis im Leben des kleinen Francisco, der
zusammen mit seiner jüngeren Schwester Jacinta und seiner Cousine
Lucia in der bergigen und kargen Landschaft um Fatima die Schafe hütete,
trat ein, als den drei Kindern im Frühjahr 1916 plötzlich ein
Engel erschien und sprach: „Habt keine
Angst! Ich bin der Engel des Friedens. Betet mit mir!" Ein
zweites Mal, im Sommer des selben Jahres, erschien den Kindern erneut ein
Engel und rief sie zu Gebet und Opfer für die Bekehrung der Sünder
und für den Frieden auf. Schließlich hatten die Kinder im Oktober
1916 noch eine dritte Engelserscheinung. Dabei reichte der Engel ihnen
die Hostie mit den Worten: „Empfangt
den Leib und trinkt das Blut Jesu Christi, der durch die undankbaren Menschen
so furchtbar beleidigt wird. Sühnet ihre Sünden und tröstet
euren Gott." Diese Ereignisse, Vorboten der späteren
Marienerscheinungen von Fatima, prägten sich tief in die Herzen der
Kinder ein. Der kleine Francisco wollte fortan alle Kraft seines Leben
darauf verwenden, Jesus zu trösten.
Am 13. Mai 1917, es war ein Sonntag, als die drei Kinder in der Cova da
Iria, beim Schafehüten spielten, erschien ihnen am hellen Mittag eine
wunderschöne Frau vom Himmel ganz in weiß und fragte sie, ob
sie bereit wären für die Bekehrung der Sünder und zur Sühne
der vielen Beleidigungen, die Gott täglich zugefügt werden, zu
beten und Leiden auf sich zu nehmen. Freudig stimmten sie zu. Die Muttergottes
erschien den dreien noch fünf weitere Male, lehrte sie Gebete, vertraute
ihnen drei Geheimnisse an und trug ihnen auf, ihre Botschaft nach Umkehr
und Gebet zu verbreiten. Als Lucia die Gottesmutter bat, sie, Jacinta und
Francisco doch gleich mit in den Himmel zu nehmen, sagte Maria: „Jacinta
und Francisco werde ich bald holen. Du aber bleibst noch einige Zeit hier.
Jesus möchte sich deiner bedienen, damit die Menschen mich erkennen
und lieben."
Die Kinder - insbesondere auch Francisco - waren wegen der Erscheinungen
heftigem Spott und ständiger Verhöhnung ausgesetzt. Viele schimpften
sie Lügner und Phantasten. Und selbst die eigenen Eltern glaubten
ihnen nicht. Am 13. August 1917, dem Tag, an dem die Muttergottes ihnen
zum vierten Male erscheinen sollte, ließ der Administrator des Bezirks,
Artur de Oliveira Santos, die Seherkinder sogar gefangennehmen und hielt
sie drei Tage in Gewahrsam. Sie sollten die Erscheinungen leugnen bzw.
die ihnen anvertrauten Geheimnisse verraten. Zunächst bot er den Kindern
dafür Geschenke an und machte ihnen viele Versprechungen. Als das
nichts nützte, versuchte er es mit Drohungen und spielte ihnen ein
Drama vor, bei dem selbst Erwachsene schwach geworden wären. Ein Polizist
mußte dazu einen Kessel mit siedendem Öl vorbereiten, um die
Kinder zu verbrennen, sollten sie sich weiter weigern, das Geheimnis preiszugeben.
Doch sie blieben standhaft. „Wenn sie uns wirklich umbringen, sind wir
bald im Himmel. Wie herrlich! Mir liegt an gar nichts mehr!" sagte Francisco
mit großer Ruhe und Gelassenheit, nahm seine Mütze ab und betete.
Als ein Wächter ihn fragte, was er da mache, antwortet er: „Ich bete
ein Ave Maria, damit meine kleine Schwester Jacinta keine Angst bekommt".
Oft, so berichtete Lucia später, habe sich Francisco beim Hüten
der Schafe von ihr und seiner Schwester entfernt, um in Abgeschiedenheit
und Ruhe den Rosenkranz zu beten. Er hatte es
sich zu seiner Mission gemacht, Jesus zu trösten. „Wie
ist doch Gott!?...das kann man nicht aussprechen! Ja, das kann keiner jemals
sagen! Aber wie schade ist es, dass Er so traurig ist. Wenn ich Ihn doch
nur trösten könnte!...", so und ähnlich äußerte
sich Francisco häufig. Als er schon sehr krank geworden war, fragte
man ihn, ob er viel leide: „Ja, ziemlich, aber mir macht es nichts aus.
Ich leide, um Unseren Herrn zu trösten", gab er mit einem Lächeln
zur Antwort. Eine besondere Freude war es für den kleinen Seher,
Jesus im Allerheiligsten Sakrament des Altares zu besuchen. Stundenlang
verweilte er vor dem Tabernakel in liebevollem Gespräch mit Jesus.
Wenn er mit Lucia auf dem Schulweg war, sagte er oft zu ihr: „Hör
zu! Geh du zur Schule, ich bleibe hier in der Kirche beim verborgenen Jesus.
Für mich lohnt es sich nicht mehr zu lernen; bald komme ich ja in
den Himmel." Und als er schon krank geworden war und selber nicht mehr
zu Kirche gehen konnte, bat er Lucia, wenn sie auf ihrem Schulweg an seinem
Haus vorbeiging und zu ihm hereinschaute: „Bitte, geh zur Kirche und bringe
dem verborgenen Jesus viele Grüße von mir. Am meisten kränkt
es mich, daß ich selbst dort nicht mehr verweilen kann."
Wie die Muttergottes es den Kindern angekündigt hatte, sollten
Francisco und Jacinta bald in den Himmel abgeholt werden. Schon im Oktober
1918, ein Jahr nach der letzten Erscheinung in Fatima, erkrankte Francisco
an der „spanischen Grippe". Sein Leiden ertrug er in großer Geduld.
Am Vorabend seines Todes war Lucia zum letzten Mal an seinem Bett und betete
mit ihm den Rosenkranz, da er alleine nicht mehr die Kraft dazu hatte.
Es war schon Nacht, als sie sich von ihm verabschiedete: „Francisco, auf
Wiedersehen! Wenn du diese Nacht in den Himmel kommst, vergiß mich
dort nicht, hörst du?" Francisco antwortete mit schwacher Stimme:
„Ich werde dich nicht vergessen. Sei beruhigt." Und er ergriff ihre rechte
Hand, drückte sie fest und schaute Lucia mit Tränen in den Augen
an. „Möchtest du noch etwas?" fragte Lucia, der jetzt ebenfalls die
Tränen über das Gesicht liefen. „Nein", antwortete er. „Dann",
sagte sie weinend, „dann, auf Wiedersehen, Francisco. Bis im Himmel. Auf
Wiedersehen im Himmel." Schon am nächsten Morgen, dem 4. April 1919,
starb Francisco. Mit einem wunderbaren Lächeln auf den Lippen, wie
alle Zeugen bestätigen, die an seinem Sterbebett gestanden hatten.
(Quelle: "Fatima ruft"
Heft 2/2019, S. 3-6, Kisslegg - LINK: fatima-aktion.de)
Bete
täglich auch den wundertätigen Rosenkranz zur Göttlichen
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