| Heiliges Jahr 2025 und vollkommener Ablaß |

„Du bist ein Königskind, dessen Wege heilig sind, dessen Würde ewig besteht, in dem der König lebt." Diese erhebenden Worte sah ich auf einer Glückwunschkarte, es ist der Refrain eines Liedes von Frieder Gurtscher. Im Auf und Ab des Lebens vergessen wir manchmal, dass wir Königskinder sind. Wir verlassen die „heiligen Wege", die uns Gott, unser Vater und König, in Liebe vorgezeichnet und vorgeschlagen hat.
Ein Blick in die Welt von heute kann Depressionen auslösen ob all der Dunkelheit, Unfreiheit, Gewalt und Friedlosigkeit. Ähnlich muss sich das alte Israel gefühlt haben, als es in der Zeit des Babylonischen Exils (597-539 v.Chr.) alles verloren hatte - die Heimat, den Tempel, ihren König. Der Prophet Jesaja spricht von Wüste, trockenem Land und Steppe, von schlaffen Händen, wankenden Knien. Dann aber ruft er den Verzagten zu: „Seht, euer Gott! Die Rache kommt, die Vergeltung Gottes! Er selbst kommt und wird euch retten!" (Jes 35,4).Er spricht zu den „Königskindern" von damals, dem von Gott erwählten Volk, das sich vom König der Könige entfernt hatte. Ihre Treulosigkeit wird von Gott vergolten, indem seine „Rache" darin besteht, dass er selbst kommt und sie rettet. So handelt unser Gott, der wahrhaft Liebe ist.
Jesaja beschreibt sodann, wie Gott die Wüste und Steppe zum Blühen bringen wird, und er verheißt: „Dort wird es eine Straße, den Weg geben; man nennt ihn den Heiligen Weg. Kein Unreiner wird auf ihm einherziehen (...) Erlöste werden ihn gehen. Die vom HERRN Befreiten kehren zurück
und kommen zum Zion mit Frohlocken, Ewige Freude ist auf ihren Häuptern, Jubel und Freude stellen sich ein, Kummer und Seufzen entfliehen." Die Rettung durch Gott ist gleichzeitig der Ruf, den heiligen Weg zu gehen.
An diese wahrlich frohe Botschaft der Hoffnung und des Trostes knüpft das „ordentliche Heilige Jahr 2025" an - auch uns ruft Gott, der König der Könige, der uns ein liebender Vater sein möchte, auf diesen „heiligen Weg". Unsere Wüste sieht optisch anders aus als die des auserwählten Volkes von damals, doch wir haben uns nicht weniger weit von Gott entfernt als sie.
Das Heilige Jahr möchte uns als „Pilger der Hoffnung", so das Motto, das Papst Franziskus wählte, auf den Weg in die Freiheit führen - in die Freiheit der Kinder Gottes (vgl. Röm 8,21).
Im Alten Testament findet sich in Lev 25,9-43 die Erläuterung über das Jubeljahr, das alle 50 Jahre zu begehen war und Versöhnung, Freiheit (auch aus Sklaverei) und die Rückkehr zum Eigentum seiner Väter verhieß. Es fiel jeweils auf das 50. Jahr, also nach 7 mal 7 Jahren, was für die Fülle steht. Die Zahl 7 ist eine heilige Zahl. Sie verweist auf den 7. Schöpfungstag, an dem Gott ruhte. Im Urtext erinnert die 7 auch an Gottes Bund mit uns - einen Bund schließen bedeutet so viel wie „sich siebnen".Das Echo dieser tiefen Symbolik hallt wider bis in unser „Heiliges Jahr", in dem jeder von uns seinen persönlichen Bund mit Gott erneuern sollte. Dieser Bund ist unsere Taufe, die uns zu den Königskindern
macht, von denen das erwähnte Lied singt. Sie ist der tiefste Grund unserer Hoffnung. Die Taufe kann man nur ein Mal empfangen, sie hinterlässt ein ewiges Siegel in unserer Seele. Die Erneuerung der Taufe jedoch, ihre Umsetzung im Alltag, ist unsere tägliche Aufgabe.
Paulus ermutigt die Epheser und auch uns (4,22-24): „Legt den alten Menschen des früheren Lebenswandels ab, der sich in den Begierden des Trugs zugrunde richtet, und lasst euch erneuern durch den Geist in eurem Denken'. Zieht den neuen Menschen an, der nach dem Bild Gottes geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit!" In der Taufe haben wir „Christus angezogen", durch ihn und mit ihm und in ihm werden wir zu neuen, heiligen Menschen.
Dem irischen Schriftsteller Oscar Wilde (+1900), der ein bewegtes Leben führte, wird die Aussage zugeschrieben: „Der einzige Unterschied zwischen dem Heiligen und dem Sünder ist, dass jeder Heilige eine Vergangenheit hat und jeder Sünder eine Zukunft." Wir sind alle Sünder, aber auch alle berufen, einst im ewigen Leben beiGott zu sein - im Paradies, wo die Heiligen zu Hause sind. Unsere irdische Pilgerschaft ist ein Weg der Hoffnung auf eine Ewigkeit mit Gott.
„Nichts kann einen Menschen wirklich groß machen, außer wirklich gut zu sein und an der Heiligkeit Gottes teilzuhaben" (Matthew Henry). Diese Teilhabe an Gottes Heiligkeit wird uns zuteil durch die Taufe und durch ein Leben aus der Kraft der Sakramente (vor allem der häufigen Beichte und Eucharistie), immer mit Gott verbunden durch unser (hörendes) Gebet.
Im Heiligen Jahr möchte Gott unsere Freiheit erneuern. Dazu ruft er uns zur Versöhnung mit ihm und den Mitmenschen. Wir sind zeitlebens „nur Gast auf Erden", so sagt es ein altes Kirchenlied. Jesus geht unsichtbar mit uns, er möchte uns die Tiefe des Bundes der Liebe erschließen, der Gott und Mensch verbindet. Ja, wir sind wahrlich Königskinder - „Er (Gott) hat dich auserkoren, so liebevoll erdacht, dich aus seinem Herzen geboren und wunderbar gemacht."
Nehmen
wir die Gnade dieses Heiligen Jahres an, um uns und damit auch
unsere Umgebung zu
heiligen.
Beatrix
Zureich
(Quelle: "MARIA - das Zeichen der Zeit", Nr. 213 2025, S. 2-3 Hrsg. Rosenkranz-Aktion e.V., Jestetten)
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