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Liturgie im Jahreskreis  -  12 Monate im Zeichen Gottes 

Bald naht wieder mit dem Jahresende auch die Weihnachtszeit, die mit ihrem Lichterglanz, ihrem Duft und ihrer Stimmung die Menschen anzieht. Auch streng säkular denkende und lebende Zeitgenossen oder jene, die der Kirche fernstehen oder sie sogar ablehnen, lassen es sich nicht nehmen, das Fest zu feiern und die damit verbundenen Feiertage zu genießen. Gleiches gilt für die anderen Feste des Jahres - ob Ostern, Pfingsten oder andere. Auch die moderne Zeit ist stärker vom kirchlichen Festtagsrhythmus geprägt, als es zunächst den Anschein hat. Darum lohnt es sich, einen genaueren Blick auf das liturgische Jahr zu werfen. Die Kirche bietet mit ihren Feiern für alle Menschen ein Erlebnis an, das alle Sinne anspricht. Darum spiegelt sich sowohl im Kirchenjahr als auch in der konkreten liturgischen Feier das Leben in seiner ganzen Fülle wieder.
Jeder kennt die Jahreszeiten mit ihren typischen Formen, Gerüchen, und Farben. Wir erfreuen uns am reinen Weiß des winterlichen Schnees ebenso wie am Elfenbeinton der ersten Obstblüten, aber auch am zarten Grün der Blütenknospen und jungen Blätter im Frühling. Der Sommer besticht durch sein sattes Grün an Wiesen und Bäumen, aber auch mit seiner bunten Blütenvielfalt und dem Gold der ersten erntereifen Äcker. Der Herbst gilt in der Kunst auch als „Maler", mit seinen kräftigen Rot-, Gold-, Gelbtönen und Resten späten Grüns. Ebenso ist auch das Kirchenjahr an seinen Farben zu erkennen. Diese sind jedoch nicht dem Kreislauf der Natur, sondern der Feier der Heilsgeschichte zugeordnet. Die liturgische Jahreszeit lässt sich nicht nur mit dem Verstand, dem Hören der Texte, sondern auch mit den anderen Sinnen erkennen. Es gibt duftenden Weihrauch, Kerzen oder die liturgischen Haltungen. Die Farben, die die Augen, d. h. den Sehsinn des Menschen ansprechen, wollen unterstreichen, was an dem jeweiligen Tag gefeiert wird. Der Priester und manchmal auch die Ministranten, tragen Gewänder jeweils in den liturgischen Farben. Außerdem werden oft die Farben an Ambo, Altar oder ähnlichen Einrichtungsgegenständen der Kirche gezeigt.
Zwei große Festkreise prägen das Kirchenjahr: Weihnachten und Ostern. Zu beiden Festen gibt es eine Einleitung, die durch eine Zeit der Vorbereitung erfolgt; und beiden Festen wird eine längere Festzeit auch im Nachhinein zugeordnet. In der Frühzeit der Kirche orientierten sich die Farben derer, die am Altar Dienst taten, an der profanen Umwelt. Als das Christentum nämlich im Jahr 391 im Römischen Reich Staatsreligion wurde, wurden die Kleriker plötzlich Staatsbeamte und damit wurden farbliche Unterschiede wichtig. Mit verschiedenen Purpurtönen wurde die entsprechende Position des Klerikers vermittelt. Langsam änderte sich der Brauch: im deutschen Sprachraum galt Rot als Festfarbe, Weiß war dagegen in Rom die Farbe für die Feste. Farbige Differenzierungen entsprechend des Kirchenjahrs wurden erst durch das Konzil von Trient im 16. Jhdt. verpflichtend gemacht und werden auch heute noch in allen christlichen Kirchen ziemlich gleichermaßen verwendet. Dabei wurden die Farben dem römischen Ritus angepasst. Dennoch gab es noch viele regionale Unterschiede. Das Zweite Vatikanische Konzil legte nur noch fünf liturgische Farben für die Gewänder fest: Weiß, Rot, Grün, Violett und Schwarz. Weiß ist die Festfarbe, Farbe der Freude und der Reinheit. Sie steht Freude, Friede, Licht, Vollkommenheit, Unschuld und ist das farbliche Symbol für Christus, denn um sein langes weißes Gewand würfelten die römischen Soldaten bei der Kreuzigung. Weiß wird an den Hochfesten der Weihnachts- und Osterzeit sowie bei jenen Festen getragen, die besonders Christus gewidmet sind, z.B. die anderen „Herrenfeste" wie Christi Himmelfahrt oder Taufe des Herrn. Außerdem wird Weiß an Festen von Heiligen getragen, die nicht für ihren Glauben als Märtyrer gestorben sind. Sie ist das Zeichen himmlischer Vollkommenheit, die der Heilige schon zu Lebzeiten zu erreichten trachtete.
Die Farbe SCHWARZ wurde nach der Liturgiereform durch die violette Farbe ersetzt. Vielerorts wird sie aber auch heute bei Begräbnissen verwendet, denn Schwarz ist in unserem Kulturkreis die Farbe der Trauer. Auch dafür sollte im Gottesdienst und im Jahreskreis Platz sein, wie auch die Feste Allerheiligen und Allerseelen zeigen. Diese Trauer ist jedoch nie ohne Hoffnung, weil Jesus Christus durch seinen Tod auch die dunkelsten Tiefen des Menschseins überwunden hat.
ROT ist die Farbe des Feuers, der Liebe, des Blutes und des Hl. Geistes. Rot ist zudem die Farbe der meisten Ministrantentalare für die
Festzeiten. Als Feuerfarbe ist Rot dann zu sehen, wenn Feste des Heiligen Geistes gefeiert werden, etwa zu Pfingsten oder bei der Firmung. Als Farbe des Blutes spielt es eine Rolle, wenn Rot an Märtyrerfesten getragen wird, also an Tagen, an denen man das Gedenken von Heiligen (auch den meisten Aposteln!) feiert, die für ihren Glauben gestorben sind. Als Zeichen dafür, dass er den Glauben durch sein Blut bezeugte, wird die rote Farbe verwendet. Dies gilt auch für den Palmsonntag und den Karfreitag. An diesen beiden Tagen wird nämlich die Leidensgeschichte Jesu Christi gelesen. Blut und Feuer haben aber beide auch etwas mit der Liebe zu tun: Der Heilige Geist, der an Pfingsten in Feuerzungen auf die Jünger herabkam, wird oft als das Band der Liebe bezeichnet, das Menschen und Gott vereint. Rot ist des Weiteren auch die liturgische Farbe für die Trauerfeierlichkeiten für einen verstorbenen Papst.
An Gedenktagen und Festen der Heiligen wird jedoch die weiße oder rote Farbe verwendet.
GRÜN ist in der Natur die Farbe des Wachsens, der Hoffnung und des Lebens. An allen „normalen" Sonntagen und Werktagen des Jahreskreises wird Grün verwendet, wenn es nicht besondere Feiertage sind. Das Wachsen dieses Reiches Gottes kommt durch die grane Farbe genauso zum Ausdruck wie das Wachsen des einzelnen Beters im Glauben. Denn die Hoffnung auf das Reich Gottes soll uns durch den Alltag begleiten.
VIOLETT ist Farbe der Besinnung, der Umkehr, der Buße und Besinnung. Dunkel steht sie am Ende der Farbskala als die Farbe des Übergangs, die auch für Verwandlung und Neubeginn steht. Deshalb ist Violett die Bußfarbe: In der Advents- und Fastenzeit wird sie getragen, auch bei der Beichte ist die Stola des Priesters violett. Bei Beerdigungen und in Messen für Verstorbene und auch am Gedenktag Allerseelen wird - neben der Trauerfarbe Schwarz - auch Violett verwendet. Ebenso ist sie Farbe der Bischöfe und der Domkapitulare.
ROSA gilt als Farbe der Vorfreude und wird in der Liturgie als helle Form von Violett betrachtet. Darum ist es keine eigene liturgische Farbe. Es wird nur zweimal im Jahr angelegt: am 3. Sonntag im Advent (Gaudete, lat. „Freuet euch") und am 4. Fastensonntag (Laetare, lat. „Freue dich").
BLAU kann auch als liturgische Farbe verwendet werden. Sie gilt als die Farbe der Gottesmutter und wird deshalb bei Gottesdiensten, in denen besonders Mariens gedacht wird, verwendet. Die Farbe des Himmels, der Freiheit, die früher sehr kostbar, weil teuer war, wurde zu einem Sinnbild für Maria. An manchen Orten wird die Farbe Blau selbstbestimmt verwendet, in manchen Gegenden ist sie sogar vorgeschrieben.
So spiegelt sich das Kalenderjahr auf unterschiedliche Weise im liturgischen Jahr wieder - beide ergänzen und inspirieren einander, damit der Mensch in allen seinen Möglichkeiten Gott stets ein Stück näher kommt.
(Quelle: "Erneuerung in Christus", Heft Nr. 11/12 -2016,  S. 11-13, Gaming)   - Salvator-Mundi-Verlag  -  LINK



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