Der königliche Weg des heiligen Kreuzes:
"Freut
Euch und jubelt...!"
Hart
erscheint vielen das Wort: Verleugne dich selbst, nimm dein Kreuz auf dich
und folge Jesus nach (vgl. Mt 16,24). Aber viel härter wird sich jenes letzte Wort anhören:
„Weichet von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer (Mt 25,41). Die jetzt in dieser Krisenzeit das Wort vom Kreuze gern hören
und befolgen, die brauchen einst nicht zu fürchten, das Wort der ewigen
Verdammung zu hören. Dieses Zeichen des Kreuzes
wird am Himmel erscheinen, wenn der Herr kommen wird, Gericht zu halten.
Dann werden alle Diener des Kreuzes, die sich dem Gekreuzigten im Leben
gleichförmig gemacht haben, mit großer Zuversicht vor Christus
den Richter treten. Was fürchtest du also, das Kreuz auf dich zu nehmen,
da es der Weg zum Himmelreich ist? Im Kreuz ist Heil, im Kreuz ist Leben, im Kreuze Schutz vor den
Feinden, im Kreuz die Quelle himmlischer Labung; im Kreuz Stärke des
Gemütes, im Kreuz Freude des Geistes; im Kreuz höchste Tugend,
im Kreuz vollendete Heiligkeit. Es gibt keine Rettung für die Seele und keine Hoffnung auf
das ewige Leben außer im Kreuz. Trage also dein Kreuz, opfere alles Gott
auf, indem Du sagst: "Jesus, Dir zuliebe...!"
und folge Jesus nach. Dann wirst du in das ewige Leben eingehen.
Er ist vorangegangen, hat sein Kreuz getragen und ist für dich am
Kreuze gestorben, damit auch du dein Kreuz trägst und am Kreuze zu
sterben begehrst. Denn wenn du mit ihm stirbst,
so wirst du auch mit ihm auferstehen und ewig mit ihm leben. Und wenn du Anteil an seinem Leiden hattest, wirst du auch an seiner
Herrlichkeit teilnehmen. Alles gründet im Kreuze, und am Sterben ist alles gelegen;
es gibt keinen anderen Weg zum Leben und zum wahren inneren Frieden als
den Weg des heiligen Kreuzes und der täglichen Abtötung und
der täglichen Aufopferung. Wo du auch gehst und was du auch suchst, du wirst keinen höheren
Weg oben, keinen sichereren Weg unten finden als den Weg des heiligen Kreuzes. Richte und ordne alles nach deinem Belieben und Gutdünken,
du wirst finden, dass du immer etwas zu leiden hast, ob es dir passt oder
nicht. Immer wirst du das Kreuz finden. Denn entweder empfindest du körperlichen
Schmerz oder seelische Bedrängnis. Manchmal wirst du von Gott verlassen,
manchmal vom Mitmenschen geplagt werden; und was noch schlimmer ist, oft
wirst du dir selbst zur Last sein. Dennoch kannst du dich durch kein Mittel, durch keinen Trost befreien
oder erleichtern; sondern du musst aushalten, solange Gott es will. Nach Gottes Willen musst du Trübsal ohne Tröstung erdulden
lernen, damit du dich ihm gänzlich unterwirfst und durch die Trübsal
demütiger wirst. Niemand empfindet das Leiden Christi so tief wie der, dem es beschieden
ist, Ähnliches zu erleiden. Das Kreuz ist also immer bereit und erwartet dich überall. Du kannst ihm nicht entfliehen, wohin du auch laufen magst; wohin
du auch kommst, du bringst dich immer mit, und immer findest du dich selbst. Wende dich nach oben, wende dich nach unten, wende dich nach außen,
wende dich nach innen: Überall findest du das Kreuz und überall
musst du die Geduld bewahren, wenn du überhaupt Frieden haben und
die ewige Krone verdienen willst. Trägst du das Kreuz gern, so wird
es auch dich tragen und zu dem ersehnten Ziel bringen, wo das Leiden ein
Ende hat - allerdings nicht auf dieser Erde. Trägst du das Kreuz mit
Widerwillen, so machst du es dir selbst noch schwerer und musst es dennoch
tragen. Wirfst du ein Kreuz ab, so wirst du zweifelsohne ein anderes finden,
und vielleicht ein noch schwereres. Glaubst du ihm zu entrinnen? Noch keinem Sterblichen ist es gelungen.
Welcher Heilige ist in der Welt ohne Kreuz und Trübsal gewesen? Nicht einmal unser Herr Jesus Christus war, solange er lebte, eine
einzige Stunde ohne Leid und Schmerz. „Christus musste
leiden und von den Toten auferstehen und so in seine Herrlichkeit eingehen"
(Lk 24,26). Wie kannst du einen anderen Weg suchen als diesen königlichen
Weg, den Weg des heiligen Kreuzes? Das ganze Leben Christi war Kreuz und Marter, und du suchst für
dich Ruhe und Freude? Du irrst dich gründlich, wenn du etwas anderes
suchst als Leid und Trübsal, denn dieses ganze irdische Leben ist
voll von Elend und ringsum mit Kreuzen bezeichnet. Und je höher jemand
im geistlichen Leben emporschreitet, umso schwerer sind oft die Kreuze,
die ihm auferlegt werden, weil die Pein seiner Verbannung sich durch die
Liebe noch steigert. Aber der so vielfach Bedrängte bleibt doch nicht ohne lindernden
Trost, weil er erkennt, dass ihm aus dem geduldigen Tragen des Kreuzes
die herrlichste Frucht erwächst. Indem er sich ihm freiwillig unterwirft,
wandelt sich die ganze Last der Trübsal in die Zuversicht, dass ihm
göttlicher Trost zuteil werde. Je mehr der Leib durch die Bedrängnis geschwächt wird,
umso mehr wird der Geist durch die innere Gnade gekräftigt. Nicht selten stärkt ihn das Verlangen nach Trübsal und
Widerwärtigkeit, aus der Liebe zur Gleichförmigkeit mit dem Kreuze
Christi entstanden, so sehr, dass er nicht ohne Schmerz und Trübsal
sein möchte, weil er Gott umso mehr zu gefallen glaubt, je mannigfaltiger
und schwerer er für ihn leidet. Nicht die Kraft von Menschen, sondern die Gnade Christi bewirkt
in gebrechlichen Geschöpfen Derartiges. Sie bringt es zuwege, dass
der Mensch das, was er natürlicherweise immer verabscheut und flieht,
mit glühendem Eifer erfasst und mit Liebe umfängt. Es liegt nicht
in der Natur des Menschen, ein Kreuz zu tragen, das Kreuz zu lieben, den
Leib zu züchtigen und unterwürfig zu machen, Ehren zu fliehen,
Schmähungen mit Freude zu ertragen, sich selbst geringzuschätzen
und zu wünschen, verachtet zu werden; alles Widerwärtige zum
eigenen Nachteil zu erdulden und in dieser Welt zu ersehnen. Wenn du auf deine eigene Kraft rechnest, wirst du nichts Derartiges
zustande bringen. Wenn du aber auf den Herrn vertraust, wird dir Kraft
von oben gegeben und Fleisch und Welt werden deiner Herrschaft unterworfen
werden. Selbst den Teufel wirst du nicht fürchten, wenn du mit dem
Glauben gewappnet und mit dem Kreuze Christi bezeichnet bist. Halte dich also bereit, als ein guter und treuer Diener Christi
das Kreuz deines Herrn, der aus Liebe für dich gekreuzigt wurde, mannhaft
zu tragen. Mache dich gefasst, viel Leid und manche Drangsale in diesem armseligen
Leben zu ertragen; denn dies ist dein Los, wo du auch sein magst, das wirst
du in Wahrheit finden, wo du dich auch verkriechen magst. Das muss so sein, und es gibt kein Mittel, der Bedrängnis schlechter
Menschen und dem Leid zu entgehen als geduldiges Ausharren. Trinke freudig
den Kelch des Herrn, wenn du sein Freund sein und Anteil an ihm haben willst.
Die Tröstungen überlasse Gott; er möge sie geben, wie es
ihm gefällt. Du aber halte dich bereit, Trübsal zu erleiden, und betrachte
sie als die größten Tröstungen; denn „die
Leiden dieser Zeit sind nicht zu vergleichen mit der künftigen Herrlichkeit,
die an uns offenbar werden soll" (Rom 8,18), auch dann nicht, wenn
du allein sie alle ertragen müsstest. Wenn du so weit gekommen bist, dass dir die Trübsal um Christi
willen willkommen und schmackhaft wird, dann darfst du annehmen, dass es
gut mit dir steht, dann hast du das Paradies auf Erden gefunden. Solange dir das Leiden schwerfällt und du zu entkommen suchst,
so lange ist es schlecht um dich bestellt und die Scheu vor der Trübsal
wird dir überall hin folgen. Wenn du dich auf das gefasst machst,
wozu du hier lebst, nämlich auf das Leiden und Sterben, wird es bald
mit dir besser und du wirst Frieden finden. Wärest du auch mit Paulus bis in den dritten Himmel entrückt,
so würdest du darum doch nicht vor jedem Leid sicher sein. „Ich
will ihm zeigen, wie viel er um meines Namens willen leiden muss" (Apg
9,16). Das Leid bleibt dir also nicht erspart, wenn du Jesus lieben und
ihm allezeit dienen willst. Dass du doch würdig wärest, für den Namen Jesu etwas
zu leiden! Welche Herrlichkeit würde deiner warten, welche Freude
würde das für alle Heiligen Gottes, welche Erbauung auch für
deine Mitmenschen sein! Es empfehlen zwar alle die Geduld, aber nur wenige
wollen sie üben. Es wäre nicht mehr als recht, würdest du gern ein wenig
für Christus leiden, da viele weit Schwereres für die Welt erleiden.
Sei dir über eines klar: Du musst deinen Lebensweg als ein Sterbender
gehen. Je mehr einer sich selbst stirbt, umso mehr fängt er an, für
Gott zu leben. Niemand ist fähig, Himmlisches zu erfassen, wenn er nicht bereit
ist, für Christus Widriges zu ertragen. Nichts ist Gott angenehmer, nichts dir in dieser Welt heilsamer,
als gern für Christus zu leiden. Und wenn du zu wählen hättest, so müsstest du eher
wünschen, für Christus Widriges zu erleiden, als mit vielen Tröstungen
erquickt zu werden. So wärest du Christus viel ähnlicher und
allen Heiligen weit gleichförmiger. Verdienst und Fortschritt in unserem Stande bestehen nicht in vielen
Annehmlichkeiten und Tröstungen, sondern im Ertragen großer
Beschwerden und Drangsale. Wäre für das Heil der Menschen irgendetwas
besser und nützlicher gewesen als Leiden, hätte Christus es gewiss
durch Wort und Beispiel gezeigt. Er ermahnt aber die Jünger, die ihm folgen, und alle, die ihm
nachzufolgen wünschen, das Kreuz zu tragen, und spricht: „Wenn
jemand mir nachfolgen will, so verleugne er sich selbst und nehme sein
Kreuz auf sich und folge mir nach" (Mt 16,24; Lk 9,23). Aus all
dem, was wir gelesen und beherzigt haben, ergibt sich als Schlussfolgerung,
„dass wir durch viele Trübsale in das Reich
Gottes eingehen müssen" (Apg 14,21). -
Thomas von Kempen -
mit einigen wenigen aktuellen Ergänzungen des Webmasters (Quelle: "Dienst am Glauben",
Heft 1-2017, S. 7-10, A-6094 Axams) Bete
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