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Therese von Lisieux und die Verbindung zu ihrer geistigen Mutter Teresa von Avila 

Julia Wächter:
Therese von Lisieux
und die Verbindung zu ihrer
geistigen Mutter Teresa von Avila
Zugleich ein Lektüretipp

Einen allzu langen Aufenthalt auf Erden hatte Therese von Lisieux, derer die Kirche am 1. Oktober gedenkt, nicht. Sie verstarb mit nur 24 Jahren. Knapp die Hälfte davon verbrachte sie im kontemplativen Orden der Unbeschuhten Karmelitinnen in Lisieux und übte sich darin, die eigene Schwachheit zu erkennen, für die Sünder stellvertretend zu leiden und auf die barmherzige Hilfe Gottes zu vertrauen. So folgte sie dem „kleinen Weg", wie sie es nannte, und übergab sich Gott in vertrauensvoller Hingabe, eben wie sich ein Kind in den Armen des Vaters geborgen weiß. Am Abend ihres Todes schreibt sie in einem Brief: „Ich sterbe nun, ich gehe ins Leben."

 „Bald flieg' ich, Herr, hinauf,
um dir mein Lob zu singen,
wo Tod nicht ist noch Pein
noch Leiden oder Plag,
dort soll mein Lied für dich
aus Engelsharfen klingen
                           am ewigen Tag!" (Therese von Lisieux, Juni 1894)
Heute gehört Therese von Lisieux zu den bekanntesten und beliebtesten Heiligen der Kirche. Obwohl sie ihre Heimatregion kaum verließ und nie Theologie studiert hatte, wurde sie durch Papst Pius XI. zur Patronin der Weltmission und durch Papst Johannes Paul II. zur Kirchenlehrerin ernannt - als dritte Frau in der Geschichte. Im Vergleich zur „großen" Teresa von Avila, der Ordensgründerin der Unbeschuhten Karmelitinnen und der ersten Kirchenlehrerin, wird Therese oft als „die Kleine" bezeichnet. Dass dies aber keineswegs wertend zu verstehen ist, wird nicht erst deutlich, wenn Papst Pius XI. seinerzeit Therese als „ein Wort Gottes für unsere Zeit" genannt hat.
Dennoch ist der Einfluss der Teresa von Avila auf Therese von Lisieux einer, der lange Zeit unterschätzt wurde. Bereits für den Entschluss der jungen Französin, in den Orden einzutreten, war die Lektüre der „Geschichte der heiligen Teresa nach den Bollandisten" entscheidend, in der der Werdegang der großen Heiligen auf der Grundlage handschriftlicher Dokumente zusammengestellt ist. Mit der Wahl ihres Ordensnamens Therese vom Kinde Jesus und vom Heiligen Antlitz stellte sich Marie-Francoise Martin, so ihr bürgerlicher Name, ganz bewusst in die Fußstapfen der heiligen Gründerin und lebte von da an in der schwesterlichen Gemeinschaft des Karmel. Diese verstand sich als Gemeinschaft von Töchtern, verbunden durch die gemeinsame geistige Mutter Teresa von Avila, die auch mehrere hundert Jahre nach ihrem Tod durch ihr Lebensbeispiel sowie durch ihre Schriften lebendig blieb.
Mit den Lebensgeschichten beider Frauen beschäftigte sich zeitlebens ausgiebig Pater Emmanuel Renault OCD, der im April 2010 in Lisieux verstarb. Er galt als Experte zu allen Fragen rund um den Orden der Karmeliten und war selbst Provinzial der Pariser Ordensprovinz und langjähriger Generaldefinitor und Generalvikar des Ordens. Nach seinem Werk „Was Therese von Lisieux Johannes vom Kreuz verdankt" (2009), legt der Autor in seinem letzten vollendeten Band „Der Einfluss von Teresa von Avila auf Therese von Lisieux" Verbindungslinien zwischen der spanischen und der französischen Karmelitin dar, wodurch es dem Leser ermöglicht wird, in das spirituelle Leben Thereses einzutauchen. Anhand chronologischer Eckpunkte zeichnet er ihre Vita nach, die durch zahlreiche überlieferte Zitate lebendig wird. „Der Einfluss von Teresa von Avila auf Therese von Lisieux" erschien 2015 in einer Übersetzung aus dem Französischen von Elisabeth Haas im Echter Verlag in Würzburg.

(Quelle: Julia Wächter in: "Bote von Fatima", Jgg. 74, Nr. 10 - Okt. 2016, S. 88, IMR Regensburg)



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