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Liebe Leser!
„Erfüllt vom Heiligen Geist, verließ
Jesus die Jordangegend. Darauf führte ihn der Geist vierzig Tage lang
in der Wüste umher, und dabei wurde Jesus vom Teufel in Versuchung
geführt. Die ganze Zeit über aß er nichts; als aber die
vierzig Tage vorüber waren, hatte er Hunger." (Lk 4,1-2)
Von Aschermittwoch bis Karsamstag dauert die vierzigtägige
Fastenzeit, auch Quadragesima genannt. Als Vorbereitung und Einstimmung
auf das Osterfest ist sie gleichzeitig auch eine Zeit der Buße. Verzichten,
Entsagung zur geistigen und körperlichen Reinigung ist keinesfalls
als sozial isolierter Vorgang zu verstehen; vielmehr soll dieses Fasten
auch anderen zugutekommen - als Spenden, früher als Almosen o.a. Viele
Kulturen und Religionen kennen eine solche Fastenzeit. Die Bezeichnung
Aschermittwoch kommt von dem Brauch, im Gottesdienst
am Aschermittwoch die Palmzweige des Vorjahres zu verbrennen, deren
Asche zu segnen und damit die Gläubigen zu bezeichnen. Das Bestreuen
mit Asche als Zeichen der Buße findet sich bereits im Alten Testament:
in „Sack und Asche gehen" (vgl. Dan 9,3) ist auch für unsere Zeit
sprichwörtlich für Umkehr und Reue (siehe auch Jona 3, 1 Job
2,12). Asche ist damals wie heute das Symbol der Vergänglichkeit.
Das Aschekreuz und die begleitenden Worte des Priesters bekunden die Bereitschaft
zur Umkehr und zu einem Neubeginn. Dieser sollte Leib und Seele umfassen:
Einschränken beim Essen und Trinken, beim Konsum von Genußmitteln
oder auch in geistiger Beschäftigung mit modernen Medien, die vielleicht
schon zu alltäglich geworden sind - jeder nach seinem individuellen
Können und Vermögen.
Im folgendem Artikel lesen Sie die Gedanken von Prälat Dr.
May über das Osterfest.
Ein
neues Jahr in Verantwortung vor Gott von Prälat Dr. Georg May
Ostern ist das Fest der Auferstehung unseres Herrn und Heilandes
aus dem Tode. Vor wenigen Tagen standen wir unter dem Kreuz, an das ihn
seine Feinde gebracht hatten. Wir sahen zu, wie der entseelte Leib in eine
Grabkammer gelegt und ein Stein davor gewälzt wurde. Wir beobachteten,
wie eine Wache aufzog, um den Toten zu behüten. Aber am ersten Wochentag,
ist alles anders. Es gilt das Wort: „Erfreue dich, o Christenheit, der
Tod ist überwunden; die Welt von Sünd' und Schmach befreit, sie
hat das Heil gefunden. Denn eh der dritte Tag erwacht', erhob sich
aus des Grabes Nacht, der uns am Kreuze freigemacht."
Ostern ist keine Idee. Ostern ist ein Ereignis. An Ostern geht es
um ein wirkliches Geschehen, um eine Tatsache, nicht um Gedankengebilde.
Das ist nicht selbstverständlich. Es gibt Menschen, die sehen an Ostern
nichts anderes als das Frühlingserwachen, als den Sieg der Natur über
den Winter, über die Kälte, über den Frost, eine Phase im
Rhythmus des Naturlebens. Dem Sterben folgt das Wiederauferstehen in der
Natur, die Knospen und Blüten besiegen den Schnee und das Eis und
die erstarrte Umwelt. Wer Ostern in dieser Sache zu deuten versucht, der
hat es gründlich mißverstanden. An Ostern ist etwas geschehen,
an Ostern hat sich etwas ereignet. Ostern ist ein Vorgang nicht in der
Natur, sondern in der Geschichte. Es geht um die Ostertatsache. Was wird
uns davon berichtet? Was wird behauptet, was sich an Ostern zugetragen
hat? Diese Behauptung ist allerdings so ungewöhnlich und so unerhört,
ja geradezu aufregend, dass sie vom ersten Augenblick an heftige Opposition
ausgelöst hat, zu einer Scheidung der Geister zwischen Glauben und
Unglauben geführt hat.
Die Osterkunde lautet: Der bekannte Wanderprediger Jesus von Nazareth,
der auf der Seite Gottes zu stehen behauptete, der durch das Kreuz hingerichtet
wurde, derselbe ist am dritten Tage aus dem Tode wieder auferstanden, hat
sich als der Lebendige gezeigt, mit seinen Jüngern gesprochen, und
sein Felsengrab ist leer geworden.
Diese Behauptung ist so ungeheuerlich, dass man ein gewisses Verständnis
dafür haben kann, dass immer wieder Leute behauptet haben, es sei
das eine Phantasie, eine fromme Einbildung derer, die meinten, den Auferstandenen
gesehen zu haben. Man erklärt sich das so: Die Jünger wollten
nicht wahrhaben in ihrer erregten Phantasie, dass Jesus tot, endgültig
tot war, und so steigerten sie sich in den Wahn hinein, er sei nicht tot.
Und so hatten sie dann in diesem Wahn Halluzinationen, das sind Trugvorstellungen,
in denen sie meinten, den Auferstandenen zu sehen. Für die Ungläubigen
-auch unter den Theologen - ist Ostern eine persönliche Täuschung
und Einbildung. In Marburg, meine lieben Freunde, lehrte ein weltbekannter
evangelischen Theologe, und von ihm stammt das Wort: „Ein toter Leib kann
nicht wieder lebendig werden." Das sagen auch die Fleischer. Aber weil
das einmal geschehen ist, deswegen gibt es ja das Christentum!
Diese psychologische Erklärung scheitert an zwei Tatbeständen.
Einmal fehlte bei den Jüngern nach dem Zusammenbruch am Kreuze jede
Spur einer Erwartung, es könne sich die Lage doch noch verändern,
oder der ins Grab gelegte Gekreuzigte müsse wieder lebendig werden.
Die seelische Erschütterung der Jünger war total. Ihre Lage war
hoffnungslos, so dass überhaupt kein Raum vorhanden war, sich an derartige
zuversichtliche Gedanken zu klammern. In ihren verwüsteten Seelen
fanden keine hoffnungsvollen Ideen Eingang. Für eine solche Einbildung
fehlte bei den Jüngern jeder Erwartungshorizont. Es existierte keine
seelische Grundlage für das Hervortreiben einer derartigen Phantasie.
Auch Phantasien brauchen eine Wurzel; bei den Jüngern
Jesu existierte keine derartige Wurzel. Sodann aber kann die radikale Umwandlung,
die in den Jüngern geschehen ist, durch die Annahme einer Selbsttäuschung
niemals verständlich gemacht werden. Es bleibt ein Rätsel,
wie die in Schmerz und Trauer niedergebrochenen Menschen mit einem Schlage
zu freudeerfüllten starken Persönlichkeiten wurden, wie die durch
Menschenfurcht verängstigten Jünger zu tapferen Bekennern und
Zeugen vor der Weltöffentlichkeit umgewandelt wurden. Es ist widersinnig,
zu glauben, dass eine Illusion derartige umwandelnde Kräfte besitzen
könnte; eine Illusion wandelt niemanden um. Durch Einbildung wird
man nicht zuversichtlich und todesmutig. Und diese Umwandlung vollzog sich
nicht in einem längeren Zeitraum, sondern sie geschah in wenigen Stunden.
Sie erhob sich auch nicht aus anfänglicher Unsicherheit, sondern sie
war mit einem Male da und mit absoluter Sicherheit.
Damit wird die Frage, was an Ostern geschah, doppelt brennend. Vertiefen
wir uns in die Berichte, die das Ostergeschehen bezeugen. Ich habe gestern
noch einmal die Synopse in die Hand genommen, also die Zusammenstellung
aller Berichte aus den Evangelien und aus den Briefen des Neuen Testamentes,
die sich mit der Auferstehung befassen. Da sind Unterschiede. Da werden
die Zeitangaben, die Ortsangaben unterschiedlich dargestellt. Die Namen
derer, die Jesus gesehen haben, unterscheiden sich. Ja, meine lieben Freunde,
warum denn nicht? Verschiedenheiten sind keine Gegensätze. Wer nicht
den bösen Willen hat, diese Verschiedenheiten zu Gegensätzen
aufzubauschen, der ist in der Lage, diese angeblichen Widersprüche
aufzulösen und zu erklären. Fragen Sie einmal die Besucher des
Gottesdienstes am Karfreitag, wer an dem Gottesdienst teilgenommen hat.
Da werden die verschiedenen Besucher verschiedene Namen angeben. Jeder
hat eben den und jenen gesehen, ein anderer hat wieder andere gesehen.
Und trotzdem haben sie alle recht. Jeder beschreibt eben das, was in seinen
Gesichtskreis getreten ist. Das sind keine Gegensätze, das sind Unterschiede,
die selbstverständlich und unvermeidlich sind.
Ein ganz besonderes Interesse an dem österlichen Geschehen
hat der älteste urchristliche Bericht von der Auferstehung, der uns
vorliegt im ersten Brief des Apostels Paulus an die Korinther. Wer hier
von der Auferstehung spricht, das ist ein Mann, der Augen- und Ohrenzeuge
der Ereignisse gewesen ist. Vor 20 Jahren sind sie geschehen, denn der
erste Korintherbrief ist etwa im Jahre 50 geschrieben worden - vor 20 Jahren!
Und deswegen, er blickt nicht weiter zurück als wir auf die Wiedervereinigung
Deutschlands, die auch vor 30 Jahren geschehen ist. Und wenn wir heute
die Menschen in Berlin fragen, wie das war, dann können uns viele
Auskunft geben, und sie können uns zuverlässige Auskunft geben.
So steht auch außer Zweifel, dass Paulus Erlebtes berichtet. Aber
er steht nicht allein. Er hat andere, die dasselbe bezeugen können.
Er kann sich auf Menschen berufen, die zur Zeit der Abfassung seines Schreibens
noch lebten und die, wie Paulus, Augenzeugen des Erscheinens des Auferstandenen
waren. Und es waren nicht wenige. Wir werden gleich hören: Es waren
500 Brüder auf einmal.
Es kommt nun Paulus alles darauf an, eine Aufzählung der Zeugen
zu bringen, die den auferstandenen Christus gesehen haben. Das ist eine
Art juristischer Beweisführung. Bei Gericht muss man Zeugen anführen.
Und Paulus ist in der Lage, solche Zeugen anzuführen. Nach dem damaligen
Recht galten nur Männer als zeugnisfähig, und so ist es nicht
zu verwundern, dass Paulus als seine Zeugen nur Männer anführt.
Das hindert aber nicht, dass auch Frauen vollgültige Zeugen der Auferstehung
des Herrn, der Erscheinungen des Auferstandenen geworden sind. Der Herr
macht keinen Unterschied zwischen Männern und Frauen. Seine Erscheinungen
vor den Frauen waren genauso real wie jene vor den Männern. Er hat
sich Maria Magdalena, Johanna und der anderen Maria ebenso gezeigt wie
dem Petrus und den Emmausjüngern. Auch die Reihenfolge der Auferstehungszeugen
ist nicht willkürlich oder gleichgültig. Es werden Namen genannt,
die in der damaligen Kirche eine Rolle spielten, an erster Stelle Petrus.
Es besteht in den neutestamentlichen Berichten Übereinstimmung, dass
der erste männliche Zeuge des Auferstandenen Petrus war. Eines der
ältesten urchristlichen Überlieferungsworte lautet: „Der Herr
ist wahrhaft auferstanden und dem Petrus erschienen."
Aber Petrus steht nicht allein, denn der Herr erschien danach den
Zwölfen. Eigentlich waren es ja nur noch elf, aber der Name „die Zwölf"
hat sich eben durchgehalten. Der Herr hatte zwölf auserwählt,
und so trugen auch die übriggebliebenen elf den Namen von den Zwölfen.
Dann ist der Herr 500 Brüdern erschienen, nicht nacheinander, sondern
auf einmal. Sie waren alle beisammen, also eine Riesenmenge, vor der sich
der Herr gezeigt hat. Dann erschien er dem Jakobus, ein besonders wichtiger
Zeuge, ein Verwandter des Herrn, einer, der seinen Verwandten kannte. Und
schließlich erschien er sämtlichen Aposteln, das heißt
dem weiteren Jüngerkreis, den man eben auch als Apostel, weil sie
in die Welt gesandt wurden, bezeichnete. Zuletzt aber erschien er dem Paulus.
Die ihm gewordene Erscheinung gehört in die Reihe der einmaligen kirchenbegründenden
Erscheinungen hinein, wenn auch als letzte. Er ist derselben Offenbarung
gewürdigt worden wie alle anderen Zeugen der Ostergeschichte. Ihm
ist der Auferstandene erschienen.
Achten Sie bitte, meine lieben Freunde, auf diese sprachliche Wendung:
„Er ist erschienen." Das „ist erschienen" hat mit Vision, mit einem innerseelischen
Vorgang nichts zu tun. Der auferstandene Christus wird von außen,
nicht von innen gegenwärtig. Er tritt vor die Augen, vor die physischen
Augen der Jünger, nicht als ein Hirngespinst im Gehirn. Der Ausdruck
„ist erschienen" bezeichnet das Offenbarungsgeschehen und die Begegnung
mit dem auferweckten Jesus. Er ist als der Lebendige durch den Tod hindurchgeführt
worden; er selbst ist der Inhalt dieser Erscheinung. Der Ton liegt auf
dem, was Christus tut: Er zeigt sich, und allein dadurch wird das Sehen
der Zeugen möglich gemacht. Das „ist erschienen" aber wiederum ist
nur möglich, zeitlich wie sachlich, weil Christus auferweckt
worden ist. Nun hat ihn Gott sichtbar werden lassen, so dass Menschenaugen
ihn sehen können.
Das Zeugnis von der Auferstehung Jesu ist gewiß ein Glaubenszeugnis,
also ein Zeugnis von Männern und Frauen, die gläubig geworden
sind. Aber dieses Zeugnis redet von einem tatsächlichen Geschehen.
Was sie bezeugen, ist das Heil in der Geschichte, ein wirkliches Geschehen,
das aber, was es ist, nur vom Glaubenden erkannt wird. Da höre ich
den Einwand des Unglaubens: Die Jünger, die von der Auferstehung Jesu
berichten, sind keine neutralen Beobachter, sondern Männer, deren
ganzes Leben durch die Begegnung mit dem Auferstandenen umgewandelt worden
ist. Ganz richtig. Sie sind keine neutralen Beobachter, aber daß
sie durch den Auferstandenen umgewandelt worden sind, das verhindert nicht
die Wahrhaftigkeit ihres Zeugnisses, das verstärkt sie. Daß
sie von dem Auferstandenen umgewandelt wurden, zeigt die Realität,
die Macht und die Wirkkraft des Auferstandenen. Wem er begegnet, und wem
die Begegnung mit ihm wichtig ist, der wird von seiner Gnade erfaßt
und umgewandelt. Ja, gerade weil die Jünger umgewandelt wurden, sind
sie glaubhafte Zeugen. Der Auferstandene hat sie nicht kalt gelassen.
Dieses unerhörte Ereignis ist der Inhalt von Ostern. Selbstverständlich,
meine Freunde, kann man immer wieder Ausreden erfinden. Das ist ja schon
in der Urkirche so gewesen. Für die Heiden war die Kunde von der Auferstehung
eine Torheit, für die Juden war sie ein Ärgernis. Die Juden haben
damals die Lüge verbreitet, die Jünger seien gekommen und hätten
den Leichnam gestohlen. Und so wird es weiter bis heute in ihrem Talmud,
in dem jüdischen Buch, verbreitet. Wir aber wissen: Der Herr ist wahrhaft
auferstanden. Achten Sie bitte immer darauf, dass es in den Texten der
Liturgie nicht heißt: Christus ist auferstanden, sondern daß
es heißt: „Christus ist wahrhaft auferstanden."
Das heißt, er ist dem Fleische nach auferstanden. Er ist nicht ins
Kerygma, wie Herr Bultmann in Marburg verkündet, er ist nicht ins
Kerygma auferstanden, in die Verkündigung. Nein, er ist mit seinem
Leibe auferstanden!
Triumph! Der Tod ist überwunden, zum Leben der Unsterblichkeit
ist selbst durchs Grab der Weg gefunden. Bekenner Jesu, singt erfreut:
Alleluja, alleluja. Zersprengt sind nun des Todes Ketten auf Jesu mächtiges
Gebot. Uns von des Todes Macht zu retten, besiegte Jesus selbst den Tod.
Alleluja! Alleluja!
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