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Wallfahrt zu "Maria Schnee", zu Unserer Lieben Frau von Aufhausen: 24-Stunden-Anbetung vor dem Ausgesetzten Allerheiligsten

             1.) Ave Maria zart, du edler Rosengart,
lilienweiß, ganz ohne Schaden,
ich grüße dich zur Stund
mit Gabrielis Mund:
Ave, die du bist voller Gnaden.
2.) Du hast des Höchsten Sohn,
Maria rein und schön,
in deinem keuschen Schoß getragen,
den Heiland Jesus Christ,
der unser Retter ist
aus aller Sünd und allem Schaden.
3.) Denn nach dem Sündenfall
wir warn verstoßen all
und sollten ewig sein verloren.
Da hast du, reine Magd,
wie dir vorhergesagt,
uns Gottes Sohn zum Heil geboren.
4.) Darum, o Mutter mild,
befiehl uns deinem Kind,
bitt, dass es unser Sünd verzeihe,
endlich nach diesem Leid
die ewig Himmelsfreud
durch dich, Maria, uns verleihe.
 

Das bekannte Kirchenlied Johann Georg Brauns (Text und Musik stammen aus dem Jahr 1675; die Drucklegung des Gesangbuchs Echo Hymnodie Coelestis erfolgte in Sulzbach) findet sich im neuen Gotteslob unter der Nummer 527. Der deutsch-böhmische Komponist und Chordirigent Braun (um 1630-1678) von St. Nikolaus in Eger (Cheb) hat seinem Text, dessen erste beiden Strophen ganz um das Geheimnis der unbefleckt empfangenden Gottesmutter kreisen, eine wunderschöne und eingängige Melodie unterlegt. Maria, die selbst ohne Erbsünde Empfangene, empfängt durch den Hl. Geist den Sohn Gottes. Damit dreht sich die mit Adam und Eva einsetzende Unheilsgeschichte um. Sie wird zur Heilsgeschichte. Aus „Eva" wird das heilbringende ,Ave" des Engels (AVE ist EVA, von hinten gelesen). Und aus dem ,Ave" entsteht durch die Wirkung des
Hl. Geistes Jesus, unser Erlöser von Sünde und Tod. Die Urfassung des Lieds bringt diesen Gedanken deutlicher zum Ausdruck als die Neufassung im „Gotteslob", denn hier liest man:
3) Durch Evae Apfel-Biß
Gott uns verstoßen ließ
Und sollten sein ewig verloren.
Da ist Göttliches Wort
Jesus dein Söhnlein zart
Zu unserm Heil ein Mensch geboren.
Mit dem ,Ave" ist somit die Ursünde (der „Apfelbiß" Evas) rückgängig gemacht worden - und es liegt fortan an jedem Menschen selbst, diese gute Nachricht anzunehmen und auf diese Weise Wirklichkeit werden zu lassen. Im Glauben an das Heilsereignis kann die eigene Seele ihr Heil finden. Und dies umso leichter, wenn Maria durch ihre Fürsprache bei ihrem Sohn dessen Verzeihen erleichtert. In diesem Fall steht uns das himmlische Paradies offen. Dieses aber ist - irgendwie wie Maria selbst. Maria ist nämlich von Anfang an das, was wir ersehnen und das einst in anderer Form kommen wird: ein edler Rosengart. Sehen wir nochmals auf die ersten beide Verse: ,Ave Maria zart, du edler Rosengart, / lilienweiß, ganz ohne Schaden". Ein Garten, voll von weißen Rosen - das hat schon etwas Paradiesisches! Maria selbst ist so etwas wie die Idee des transzendenten Himmelreichs. Erinnert ein Feld weißer Rosen aber nicht auch an ein Schneefeld? Diese Assoziation erscheint deswegen als nicht allzu weit her geholt, da, ganz wie die weißen Rosen (oder auch die Lilien) auch der Schnee ein Bild für die Reinheit Mariens ist. An diese Verbindung von Maria und Schnee knüpft sich eine schöne Legende: Die heilige Jungfrau Maria soll auf dem Esquilin in Rom in der Nacht auf den 5. August (also mitten im Hochsommer!) des Jahres 358 einem römischen Patrizier und seiner Frau erschienen sein und den beiden versprochen haben, dass ihr Wunsch nach einem Sohn in Erfüllung gehe, wenn ihr zu Ehren eine Kirche errichtet werde - aber nicht irgendwo, sondern genau da, wo am nächsten Morgen Schnee liegen werde. Das Ehepaar begab sich am nächsten Tag zum Papst, der überraschenderweise von Schnee in Rom geträumt hatte. Und bald wurde bekannt, dass die höchste Erhebung des Esqulin-Hügels weiß von Schnee sei. An dieser Stelle steht bis heute die Patriarchalbasilika Santa Maria Maggiore.
Kehren wir in unseren Gedanken von der weltberühmten Basilika wieder zurück nach Deutschland; nicht aber nach Eger, sondern nach Regensburg. Nicht weit davon, nämlich 25 km in südöstlicher Richtung gelegen, befindet sich das beschauliche Dorf Aufhausen.
Betreut von der Kongregation des Oratoriums des Hl. Philipp Neri findet sich dort eine sehr sehenswerte Wallfahrtskirche mit dem Patrozinium „Maria Schnee". Die Internetseiten des Wallfahrtszentrums, die den folgenden Ausführungen zugrunde liegen, wissen Interessantes von der Geschichte der Wallfahrt zu berichten:
Die Entstehung der Wallfahrt in Aufhausen ist eng mit der Persönlichkeit von Pfarrer Johann Georg Seidenbusch verbunden, der hier über sechzig Jahre lang als Pfarrer wirkte. Geboren 1641 in München, erlebte Johann Georg als Kind die Not des 30-jährigen Krieges und die Aufbruchstimmung der Nachkriegszeit. Tief in seinem Herzen war eine große Marienliebe verankert. Da gewisse Dekorationen des künstlerisch sehr begabten Johann Georg anlässlich des Besuchs Kaiser Leopolds in München großen Gefallen gefunden hatten, durfte er sich eine Belohnung wünschen. Er wählte eine auf dem Dachboden des Kollegs abgestellte Marienfigur, die durch eine neue, größere ersetzt worden war. Johann Georg bekam dieses vom Bayrischen Herzog Wilhelm V. bereits um das Jahr 1580 gestiftete „Marianische Bildnis", das ihn nun sein ganzes Leben begleiten sollte. Eine der ersten Maßnahmen des jungen Pfarrers Seidenbusch in Aufhausen waren die täglichen marianischen Abendandachten vor seiner Madonnenstatue - zunächst für die Angehörigen des Pfarrhauses, dann mit der Nachbarschaft und schließlich für Pilger von nah und fern. Als Andachtsraum diente zunächst lediglich eine Art Bretterverschlag. Als aber durch Gebetserhörungen immer mehr Beterinnen und Beter angezogen wurden, mussten größere Andachtsräume entstehen. Am 10. Dezember 1668 übertrug der Pfarrer seine Madonna schließlich in eine neu errichtete Muttergotteskapelle. Pfarrer Seidenbusch wählte für seine Wallfahrtsstätte neben der Pfarrkirche einen entsprechenden Titel, der auch als Patrozinium würdig gefeiert werden konnte und entschied sich für „Maria Schnee". Das entsprechende Fest, das nun in Aufhausen jeweils am ersten Sonntag im August gefeiert wurde, hat eine symbolische Bedeutung und Aussagekraft: Pfarrer Seidenbusch, der ein besonderer Verehrer der „Ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria" war, sah im Schnee ein besonders sprechendes Zeichen für die Reinheit und Makellosigkeit der Mutter Jesu.
Aufhausen ist sicherlich eine Reise wert. In der - durchaus auch im kunstgeschichtlichen Sinne . sehr beachtenswerten Wallfahrtskirche (sie enthält etwa ein Altarbild von Jörg Breu d. Ä.), die eingebettet ist in eine alte bäuerliche Kulturlandschaft, lässt es sich gut beten - und singen (beispielweise ,Ave Maria zart, du edler Rosengart").


Für Besuche im Oktober 2016 könnten diese Informationen hilfreich sein (vgl. auch unter „Termine" im untenstehenden Link):
01.10. — Herz-Mariä-Sühne-Samstag
14.-16.10. - Kurz-Exerzitien
30.10. 2016 - Seidenbusch-Gebetstag 24 Stunden täglich Anbetung vor dem Allerheiligsten (unterbrochen nur durch die Gottesdienste); jeden Tag Gelegenheit zur Beichte und Aussprache (vor und nach der Abendmesse und nach Vereinbarung s.u.).

Weitere Informationen:
Oratorium des hl. Philipp Neri (CO) -
„Oratorianer vom Heiligen Blut"
Seidenbuschstr. 22 a
D-93089 Aufhausen /Opf.
Tel. +49 (0) 9454/9490530
kontakt (at) oratorium-aufhausen.org
Oratorium-Aufhausen.org   -   LINK

(Quelle: Sigmund Bonk in: "Bote von Fatima" Nr. 10, Jgg. 74 - Okt. 2016, S. 84f., IMR Regensburg)



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