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Vor dem Deutschlandbesuch
Papst Benedikts besuchte dieser das inzwischen berühmte "Muschelseidentuch"
in Manopello/Italien: Dieses Tuch ist eine Fotografie der Auferstehung
Jesu: es zeigt Jesus bei Seiner Auferstehung mit geöffneten Augen.
Dieses Muschelseidentuch ist ein unwiderlegbarer Beweis der Auferstehung
Jesu (Bild), während das
ebenso berühmte "Grabtuch von Turin" den gekreuzigten Jesus - mit
geschlossenen Augen - zeigt. Hören wir hier eine Predigt des bekannten
Prof. Dr. G. May:
Im Namen des Vaters
und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Geliebte im Herrn!
Der Unglaube ist um
Ausreden nicht verlegen. Er versteckt sich hinter unverständlichen
Ausdrücken und hinter harmlos klingenden Ausreden. So erklärt
er, die Auferstehung Jesu sei nicht eine historische, sondern eine metahistorische
Wirklichkeit. Ich habe alle Lexika, die mir zur Verfügung stehen,
durchgesehen, um zu finden, ob dort das Wort „metahistorisch" enthalten
ist. In keinem einzigen Lexikon taucht das Wort auf. Soviel aber ist sicher:
Diejenigen, die solche Behauptungen aufstellen, wollen damit die Historizität,
also die Geschichtlichkeit der Auferstehung Jesu, bestreiten. Nicht eine
historische, sondern eine „metahistorische" Wirklichkeit sei sie.
Der Unglaube erklärt
weiter, die Auferstehung Jesu sei nicht ein Ereignis, sondern ein Interpretament.
Was ist denn das wieder? Ein Interpretament ist eine Erklärung. Man
habe die Auferstehung erfunden, um damit etwas anderes zu erklären.
Was denn? Daß die Sache Jesu weitergeht. Also hier soll erklärt
werden, wie die Sache Jesu weitergeht, obwohl er tatsächlich nicht
auferstanden ist! Das ist der Sinn, wenn man sagt, die Auferstehung Jesu
sei ein Interpretament. Meine lieben Freunde, ich habe diese ungläubigen
Bücher gelesen, damit Sie sie nicht zu lesen brauchen, und um Ihnen
die Sicherheit zu geben, wenn wir im Glaubensbekenntnis sagen: „Auferstanden
von den Toten am dritten Tage."
„Die Sache Jesu geht
weiter." Ja meinen Sie, die Sache Jesu wäre weitergegangen, wenn er
im Tode geblieben wäre? Kein Mensch hätte sich um die Sache Jesu
geschert, wenn er im Grabe verblieben wäre. Wie soll denn die Sache
Jesu weitergehen, da sie doch am Karfreitag zu Ende gegangen ist? Der Karfreitag
ist doch das Fiasko der Sache Jesu. Kein Mensch hätte sich auf die
Sache Jesu eingelassen, kein Finger wäre für ihn gerührt
worden, wenn er nicht aus dem Grabe erstanden wäre. Die
Verleugnung des Petrus, die Flucht der Jünger, der Emmausgang der
beiden Jünger, alles das bezeugt, wie niedergeschlagen und wie trostlos
die Jünger waren, daß die Sache Jesu eben nicht weiterging.
Nein, es muß etwas geschehen sein, damit sie weiterging, und das
ist die Auferstehung Jesu; das ist die Auferstehung gemäß der
Schrift. Das ist die Auferstehung, die wirklich und leibhaftig geschehen
ist und von der die Apostel sagen: „Wir haben
mit ihm gegessen und getrunken nach seiner Auferstehung."
Sie berufen sich nicht auf eine Vision, sie berufen sich auf die Tischgemein-
schaft mit dem Auferstandenen. Das ist die Wirklichkeit der Auferstehung.
Wir stehen deswegen
zu dem, was 2000 Jahre lang geglaubt worden ist, und zwar so, wie es dasteht.
Wir freuen uns, den Glauben bekennen zu dürfen, den die Apostel mit
ihrem Blute besiegelt haben. Da höre ich einen Einwand, nämlich:
Auch andere, sagt man, auch
andere sind für
eine Idee, für eine Ideologie, für eine Weltanschauung gestorben.
Ohne Zweifel.
Aber das ist es ja
gerade, das ist ja gerade der Unterschied:
Die Jünger sterben nicht für eine Ideologie, sie sterben für
eine Tatsache. Und sie sind für eine Tatsache in den Tod gegangen,
die sie nicht vom Hörensagen kannten, sondern die sie selbst erlebt
haben. Das ist der Unterschied.
Und deswegen berufen
sie sich vor dem Hohen Rate nicht auf eine Lehre, sondern auf eine Tatsache.
„Wir
können nicht aufhören zu reden von dem, was wir gesehen und gehört
haben." Eine Tatsache. Der heilige Irenäus,
Bischof von Lyon im 2. Jahrhundert, also 1800 Jahre näher heran am
Tode und an der Auferstehung Jesu, hat ein Buch geschrieben: „Gegen die
Häresien". In dem 5. Buche der „Häresien" kommt er dann auf die
Auferstehung Jesu zu sprechen, und er wird nicht müde, herauszustellen,
daß derjenige, der
aufersteht, derselbe
ist wie der, der am Kreuze gehangen hat. Ja, es ist dasselbe Fleisch, sagt
er, das wir nach der Auferstehung berührt sehen wie das, was er während
seines irdischen Wandels getragen hat. Und so kann Jesus zu Thomas sagen:
„Reich
deinen Finger her und sieh meine Hände, leg deine Hand in meine Seite
und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!"
Der Unglaube, meine
Freunde, kennt noch einen anderen Trick, um sich zu verbergen. Er spricht
von dem historischen vorösterlichen
Jesus und dem nicht
historischen nachösterlichen Christus. Der Jesus, der vor Ostern gelebt
hat, ist historisch, aber der Jesus, der nach Ostern angeblich gelebt hat,
der sei nicht historisch. Das heißt, er ist ein Produkt der Gemeindetheologie,
ein Phantasieprodukt der Jünger. Ostern bedeutet nach dieser Meinung
einen Einschnitt zwischen Geschichte und Nachgeschichte. Und das ist ganz
falsch. Der Einschnitt liegt nämlich nicht zwischen Karfreitag und
Ostern, der Einschnitt liegt zwischen dem ersten Auftreten Jesu am Jordan
und der Himmelfahrt. Was nach der Himmelfahrt kommt, das ist nicht mehr
Geschichte, das ist Ewigkeit. Aber alles, was vor der Himmelfahrt liegt,
das ist Geschichte. So verstehen die Jünger, so verstehen die Apostel,
so verstehen die Evangelisten das Leben Jesu. Petrus verlangt nämlich
von dem neu zu erwählenden Apostel, daß er Zeuge sein muß
von allem, was Jesus getan hat von der Taufe des Johannes, „bis er von
uns weg aufgenommen wurde". Also der Einschnitt liegt nach der Himmelfahrt.
Und ebenso ist es im Evangelium des heiligen Lukas. Er will in seinem Evangelium
sprechen von all dem, was Jesus von Anfang an tat bis zu dem Tage, an dem
er von uns aus in den Himmel aufgenommen wurde. Das heißt, die Geschichte,
die Geschichte Jesu reicht vom Auftreten am Jordan bis zum Tag der Himmelfahrt.
Und die Auferstehung gehört in diese Geschichte hinein; sie ist ein
Bestandteil dieser Geschichte.
Sie gehört zum
historischen Jesus und nicht zum nachösterlichen. Die Sache Jesu geht
weiter, gewiß. Aber nur weil der, der
sie angefangen hat, nach seinem Tode wieder lebendig geworden ist und diese
Sache vorantreiben konnte.
Warum, meine lieben
Freunde, ereifere ich mich, um die Irrlehren über die Auferstehung
Jesu zurückzuweisen? Weil an der Auferstehung buchstäblich alles
hängt! Das ganze Christentum ist auf
die Auferstehung aufgebaut.
„Wäre Christus
nicht auferstanden", sagt der Apostel Paulus, „dann sind wir noch in unseren
Sünden, dann sind wir falsche Zeugen." Aber weil er auferstanden ist,
deswegen sind wir erlöst. Getrost, jetzt sind wir erlöst durch
die Auferstehung Jesu. Jetzt haben wir Zuversicht auf das ewige Leben.
Freilich hindert das nicht, daß wir österlichen Menschen auch
jetzt noch das Leiden Christi an unserem Leibe herumtragen müssen.
Von Jesus gilt das ja auch: „Mußte er nicht alles das leiden, um
so in seine Herrlichkeit einzugehen?" Und sagt nicht Paulus:
„Allezeit tragen wir
das Todesleiden Jesu an unserem Leibe herum, damit auch das Leben Jesu
an unserem Leibe sichtbar werde"? Also, das
Leiden, das Mit-Leiden mit Jesus wird auch uns österlichen Menschen
nicht abgenommen. Wir gehen als österliche Menschen durch die Welt,
aber das hindert nicht, daß wir auch am Leiden Jesu Anteil gewinnen
müssen. Anders kann man nicht in die Herrlichkeit, die Christus uns
bereitet hat, eingehen. Wir singen an Ostern: „Christus erstand wahrhaft
vom Tod."
Aber wir fügen
gleich hinzu: „Du Sieger, du König, sieh unsere Not!" Die Ewigkeit
hat mit der Auferstehung Jesu begonnen. Er ist der Erstling der Entschlafenen,
und das ist eben der Anfang der Ewigkeit. Die große Auferstehung
am Jüngsten Tage nimmt ihren Anfang mit Jesus. Die anderen kommen
später dran. Aber sie werden so gewiß auferstehen, wie Jesus
vom Tode erweckt wurde. Die Ewigkeit hat bereits begonnen, aber auch das
Gericht. Auch das Gericht hat bereits begonnen. Das ist das Gericht, daß
Christus in die Welt kam und daß die Welt ihn nicht annahm. „Wer
nicht glaubt, der ist schon gerichtet."
Die Auferstehung Jesu
gibt dem ganzen Leben Jesu einen besonderen Sinn. Alles in seinem Leben
konvergiert auf die Auferstehung
Jesu. Alle Wunder
erfüllen ihre Bedeutung, indem sie auf die Auferstehung Jesu hinweisen.
Das Wunder der Brotvermehrung
zeigt, daß es einmal eine Wirklichkeit geben wird, in der aller Hunger
verbannt ist. Das Wandeln auf dem See
zeigt, daß der Leib Jesu nicht mehr an die Gesetze der Schwerkraft
gebunden ist. Und das Verwandlungswunder
zeigt, daß der Leib einmal in Unverweslichkeit verwandelt werden
wird. „Dieses Verwesliche",
sagt Paulus, „muß die Unverweslichkeit
anziehen." Wir dürfen also ausschauen
auf die Ewigkeit. Wir dürfen unsere große Hoffnung auf die Auferstehung
Jesu setzen, dürfen freilich auch nicht vor unserer Verantwortung
in dieser Zeit fliehen. Diese Zeit ist ein Provisorium. Wir sind auf das
Definitivum, auf das Endgültige hin unterwegs. Aber in diesem Provisorium
fällt die Entscheidung für das Definitivum. In dieser Zeit müssen
wir das bewirken, was uns vor dem ewigen Tode rettet.
Theologie der Hoffnung
wird heute großgeschrieben, und warum nicht? Wir haben eine solche
Theologie der Hoffnung. Christus hat sie
uns geschenkt mit
seiner Auferstehung. Einer der führenden sowjetischen Literaturwissenschaftler
hat vor einiger Zeit in einem Artikel geschrieben, er sei besorgt um die
Zukunft seiner, nämlich der kommunistischen Weltanschauung. Die Nacht
breche herein, die Nacht des heraufkommenden Christentums. Was er fürchtet,
ist unsere Hoffnung. Die Nacht, vor der er bangt, ist die Osternacht, in
der das Leben über den Tod gesiegt hat. Für uns Christen ist
es schon Morgen geworden, und nun schreiten wir in der Tageshelle der Ewigkeit
zu, hoffend, liebend und glaubend, wie wir es im Glaubensbekenntnis der
heiligen Messe aussagen.
Amen.